Einst eine Steilwandabfahrt für die „Extremen“, heute fast schon eine überlaufene Modetour, jedoch noch immer mit einem gewissen Nimbus. Spektakulär zieht sich das Kar Neue Welt durch die felsige Westwand des Schneefernerkopfes im Wettersteingebirge.
| Höhenmeter: 250 Aufstieg 1.600 Abfahrt | Ausrichtung: SW |
| Schwierigkeit: 4 von 5 | Lawienengefahr: 4 von 5 |
Tourenbeschreibung
Ausgangspunkt ist die Tiroler Zugspitzbahn bei Ehwald. Mit dieser per Einfachfahrt rauf auf die Zugspitze und von dort mit der Seilbahn runter auf das Schneefernerplatt. Wer eine tagesfüllende winterlich alpine Unternehmung ohne Seilbahnunterstützung draus machen möchte, steigt die knapp 1.600 hm über Gamskar – Wiener Neustätter Hütte – Stopselzieher auf und fährt von dort aus hinab aufs Schneefernerplatt (alpin, exponiert, bis 60 Grad, Klettersteig unter dem Schnnee, volle Ausrüstung und alpine Erfahrung erforderlich).
Vom Schneefernerplatt zum Ende des Schleppliftes auf knapp 2.700 m aufsteigen. Von dort aus nach Südwest in Richtung Gipfel des Schneefernerkopfes in den breiten 35 Grad steilen Hang queren und den vor einem liegenden Felsabbruch links umgehen. Dann nach Nordwesten am Plateau der alten Gipfelstation vorbei rauf zum Kreuz der Schneefernerkopfscharte auf 2.836 m (nicht Gipfel des Schneefernerkopfs 2.874).
Hier beginnt die Abfahrt. Zunächst einen breiten nach unten hin steiler werdenden Hang hinunter. Auf ca. 2.700 m kommt ein kurzes felsdurchsetztes Steilstück mit ca. 45 Grad, welches rechtshaltend abgefahren wird. Darunter weitet sich das Kar wieder und bietet ideale breite Skihänge mit 25-30 Grad Neigung.
Auf ca. 2.300 m erreicht man einen Felsabbruch. Eine Seilversicherung führt ortographisch nach links (Richtung Felswand der Nördlichen Wetterspitze). Am Ende der Seilversicherungen befinden sich mehrere gebohrte Abseilstände.
Für das Abseilen bis runter in die Rinne wird ein 60 m Doppelseil benötigt. Wer mit einem zu kurzen Seil unterwegs ist, findet auf dem Weg runter nur einen Zwischenstand an zweifelhaftem Haken- und Schlingenmaterial, oder findet sich ohne Zwischenstand unten in ca. 60 Grad steilem Schotter wieder.
Vom Grund der Rinne aus geht es zunächst durch eine 35 Grad steile ca. 8 m breite Rinne zwischen den aufragenden Felswänden hindurch, bis sich das Kar wieder weitet. Auf 1.900 m fährt man aus dem Kar Neue Welt aus auf die Holzer-Wies.
Von hier aus entweder nordwärts Richtung Ausgangspunkt bei der Ehrwalder Zugspitzbahn, oder die Hänge nach Süden queren bis ins Skigebiet und von hier aus mit dem Skibus zurück zum Ausgangspunkt.
Je nach Schneelage beides einigermaßen suboptimal mit ggf. Latschnkampf und Schotterhatscher 🙂
Schnee/Lawienengefahr
Der ostseitig ausgerichtete Aufstiegshang liegt ab Sonnenaufgang in der Sonne und ist auch durch die umliegenden Felswände lawienenbedroht. Ein früher Start ist daher anzuraten.
Das Kar Neue Welt ist nach Südwesten bzw. Westen gerichtet. Je nach Schneelage ist das Steilstück auf 2.700 m mehr oder weniger felsdurchsetzt. Die Felsrinne im unteren Teil ist sicher des öfteren Lawinenverfüllt.
Aufgrund der Steilheit von bis zu 45 Grad im oberen Teil der Abfahrt, ist eine absolut sichere Lawienenlage obligatorisch. Die Rinne unten ist besonders durch selbstauslösende Lawienen aus den umgebenden Felswänden bedroht.
Einschätzung: 4 von 5 (sehr hoch)
Schwierigkeit
Bei guter Sicht ist die Wegfindung bei der Abfahrt und das Auffinden der Abseilstelle intuitiv und unproblematisch. Bei schlechter Sicht besteht an verschiedenen Stellen der Abfahrt akute Absturzgefahr und ist von einer Durchführung der Unternehmunng dringend abzuraten.
Das obere felsdurchsetzte Steilstück auf ca. 2.700 m kann je nach Verhältnissen anspruchsvoll sein. Aufgrund des darunter liegenden freien breiten Hanges ist die Gefahr bei einem Sturz jedoch moderat.
Eine vollständigen Ausrüstung für das Abseilen am Felsabbruch sowie die für das Abseilen erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten sind obligatorisch. Ein Steinschlaghelm ist dringend anzuraten. Der Fels über den abgeseilt wird, ist feinster Bruch. Unten in der Rinne ist es für Wartende empfehlenswert, sich an der Felswand in der kleinen Höhle vor dem zu erwartenden Steinschlag durch Abseilende in Sicherheit zu bringen.
In der Rinne unten sammeln sich gerne Lawienenkegel aus den umliegenden Wänden, was die Abfahrt anspruchsvoll machen kann.
Einschätzung: 4 von 5 (sehr schwierig)
