Der Mont Blanc ist als höchster Berg Europas das Sehnsuchtsziel vieler Bergsteiger und Gleitschirmflieger schlechthin. Mit 4.808 m Höhe ragt der Gipfel des weißen Schneeriesens ganze 3.800 m über den Talgrund von Chamonix. Wer sich nicht bei idealen Verhältnissen durch die Thermik hinauftragen lässt, hat einen weiten Fußmasch vor sich.
| Talort: Chamonix 1.034 m | Startplatz: Mont Blanc 4.808 m |
| Startrichtung: W bis SO anspruchsvoll | Startrichtung: NW bis O expert |
Flugverbot: Vom 1. Juli bis 31. August gilt auf der Mont Blanc Seite des Tales von Chamonix ein Flugverbot für Paraglider. In diesem Zeitraum ist Hochsaison für Hochtouren am Mont Blanc. Daher sind die Rettungshubschrauber in diesem Zeitraum quasi ganztätgig im Dauereinsatz.
Tourenbeschreibung
Von les Houches zunächst der Fahrstraße rauf nach Bellevarde folgen. Dort beginnt der Steig durch den Wald Richtung Col du Mont Lachat. Nach Erreichen des Col dem Steig weiter Richtung Osten folgen. Hier wird das Gelände bald schon felsiger. Gelbe Punkte erleichtern die Wegfindung in dem schuttigen Blockgelände. Auf ca. 2.500 m dreht der Steig südwärts und folgt einem schuttigen, teils mit Seilen und Leitern versicherten Rücken hinauf zum Col des Rognes auf 2.802 m.
Gehfaule haben von les Houches die Seil- und dann Zahradbahn bis auf 2.372 m genommen und stoßen an dieser Stelle von dem aus Südwest heraufkommenden Steig hinzu. Von hier aus südostwärts zunächst ein flaches Becken queren, dann dem steiler werdende Rücken bis zum Refuge de Tete Rousse auf 3.187 m folgen.
Den kleinen Glacier de Tete Rousse südostwärts überqueren bis zum Beginn des Grande Couloir. Das Grande Couloir ist extrem von Steinschlag und Lawienen bedroht. Je nach Verhältnissen kommen hier im Sekundentakt die Steine runter, so dass die Querung in der Regel in der Nacht vor Sonnenaufgang erfolgen sollte. Der Felsrücken neben dem Grande Couloir stellt die technische Hauptschwierigkeit des Normalweges dar. Der Charakter der Gratkeltterei im I.-II. Schwierigkeitsgrad variiert stark je nach Schneelage und Vereisung. Im oberen Teil Seilversicherung. Auf 3.863 m erreicht man das Refuge de l Aiguille du Gouter.
Wenn übernachtet werden soll, geben sich Tete Rousse / Gouter Hütte nichts. Beide sind vollkommen überlaufen, überteuert und zur reinen Massenabfertigung ausgelegt. Herzlich Willkommen am höchsten Berg Europas :-). Ohne Reservierung lange im Voraus geht hier nix.
Der Gipfelanstieg über den Dome du Gouter auf 4.304 m bis zum Vallot Biwak auf 4.362 m ist ein wenig anspruchsvoller Schneehatscher. Das Spaltenrisiko ist gering und die durch hunderte Bergführerseilschaften gut ausgetrampelte Spur weist den Weg. Auf dem Vallot Biwak zeigt sich das Spektakel -bisweilen Drama- der touristischen Mont Blanc Besteigungen in seiner vollen Blüte. Hier beginnt der Bosses Schneegrat. Selten wirklich ausgesetzt, stellenweise mit bis 45 Grad Steilheit hinauf bis zum Gipfel. Der Kreuzlose Gipfel ist ein gutmütiger großer Schneebuckel.
Startplatz
Der Gipfel des Mont Blanc ist, wie bereits ausgeführt, ein großflächiger Schneebuckel. Nach NW, N, NO, und O fallen die Schneeflanken jedoch steil ab. Ein Start in diese Richtungen ist aufgrund des akuten Absturzrisikos ausschließlich Profis vorbehalten. Nach W, SW, S und insbesondere SO hinunter zur Scharte des Mont Blanc Courmayeur ist die Hangneigung deutlich moderater und verzeiht auch einen Startabbruch.
Der Anspruch des Startplatzes begründet sich durch die Exponiertheit und Höhe des Gipfels. Selten ist der Wind in dieser Höhe nicht zu stark und wechselnd böig aus verschiedenen Richtungen. Zudem macht sich die „dünne“ Luft deutlich bemerkbar. Der Schirm braucht eine wesentlich höhere Geschwindigkeit beim Start, bis er zu tragen beginnt.
Sollte der Start vom Mont Blanc gar nicht klappen wollen, bleibt als Alternative noch der Abstieg zum Dome du Gouter. Dieser bietet in alle Richtungen flach abfallendes Startgelände.
Landeplatz
Landeplätze in Chamonix.
Tourenbericht
12. – 13. September 2020. Ja wie geil wäre das denn, den Mont Blanc mal mit dem Gleitschirm zu machen. Genau um solche Träume zu verwirklichen, hatte ich dieses Jahr ja endlich den Schein gemacht. Noch im Juli hatte ich den Mont Blanc über den Freney-Pfeiler zum ersten Mal bestiegen und mir gedacht, dass ein Start von diesem Schneebuckel für mich bei den richtigen Verhältnissen tatsächlich funktionieren könnte. Es klingelt das Telefon. Andrea: „Wind passt am WE, bist Du am Start? „Klar, wann geht’s los?“. Und schon sitzen wir zu dritt Freitag auf’d Nacht im Auto und düsen nach Chamonix.



Sa Früh in Chamonix angekommen, geht es ohne viel Schlaf, aber nach einem guten Frühstück in einer Brasserie in der Morgensonne, an den Aufstieg. Die anderen Beiden gönnen sich die Seilbahn, ich mir die extra Höhenmeter. An der Tete Rousse treffen wir in etwa zeitgleich ein. Bei besten Verhältnissen erreichen wir am frühen Nachmittag die Gouter Hütte, auf der wir noch mit großem Glück spontan Plätze bekommen hatten. 50iger Massenlager, Klimaanlage, in den Lagern gut hörbare „Flugzeugtoiletten“ lassen in der Nacht nicht viel Ruhe aufkommen. Aber wenn man die Nacht davor schon nicht wirklich geschlafen hat, stellt sich der Schlaf dann doch irgendwann ein.


In der Früh, bzw. noch mitten in der Nacht gegen 3:30 Uhr, reihen wir uns nach einem spärlichen Frühstück in die Karawane der Stirnlampen der Bergführer mit ihrer am Gipfeltag vor Aufregung pulsierenden Kundschaft ein. Wir kommen zügig voran. Erst oben macht sich die dünne Luft bemerkbar und bremst uns etwas runter. Am Gipfel bei völliger Windstille angekommen, erwacht die Sonne am Horizont feurig rot zum Leben. Mit der Sonne kommt auch die Luft langsam in Bewegung. Moderate ca. 10 kmh Wind, aber irgendwie undefiniert aus SW bis O.

Simon ist als erster startklar und wirft sich den Hang hinunter. Mit flatterndem Segel und erst nach einem ungewohnt langen Lauf gleitet er davon. Ich ziehe auf, aber bevor ich wirklich zum Sprint ansetzen kann, lässt Wind von der Seite meinen Schirm klappen und abdrehen. Inzwischen sind noch weitere Piloten am Versuchen. Startabbruch reiht sich an Startabbruch. Der Wind frischt zunehmend auf. Laut fluchend und mit meinem Schirm und dem Wind kämpfend geht es Mal um Mal den Hang wieder rauf, nur um gleich erneut wieder einen Klapper zu kassieren.
Die ersten Piloten verlieren schon den Glauben und beginnen ihre Schirme wieder einzupacken. Ich entscheide für mich dafür, dass der Wind wohl am stärksten aus O kommt und lege meinen Schirm daher am Fuße des Gipfelhanges auf einer Wächte aus und beschwere den Schirm mit Schnee, damit ihn mir die Böen aus W nicht gleich wieder verblasen. Ich ziehe auf und schmeiße mich die Wächte hinunter… der Plan geht auf. Zwar laufe ich noch eine gefühlte Ewigkeit wie ein Albatross beim Start durch den hier knietiefen Schnee, aber letztendlich hebe ich mit einem lauten Seufzer der Erleichterung ab. Dass Andrea es nach mir auch noch geschafft hat, erfahre ich erst später.
Ich genieße den Flug über die fantastische Hochgebirgslandschaft. Obwohl die Luft nicht wirklich gut trägt, auf den guten 3.800 m bis ins Tal hat man jede Menge Zeit zu spielen. Am Ende dann fast schon surreal, gerade noch auf knapp 5.000 m im Schnee bei Minusgraden, dann keine Stunde später Spätsommer im Tal. Für uns drei ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen.
17. September 2020. Mit dem Wissen, dass es möglich ist hatte mich eine weitere Idee infiziert, welche mich nicht mehr los lies. Hatten wir nicht als als junge Burschen getönt, dass wenn wir den Mont Blanc mal machen, dann nur „by fair means“ als Tagestour vom Tal aus? Reichlich optimistisch für damals… aber heute mit Schirm?! Das Wetterfenster ist da. Drei Tage später bin ich wieder in Chamonix. Diesmal alleine.
Um 1:30 Uhr in der Nacht geht es los. Der Weg ist bekannt. In der Kühle der Nacht geht es schnell voran. Vom Tal aus macht sich ab dem Dome du Gouter die dünne Luft deutlich bemerkbar. Aber ich habe es ja nicht eilig. Die letzten Gipfelaspiranten vom Morgen kommen mir entgegen. Gegen 10:30 Uhr erreiche ich den Gipfel und habe diesen ganz für mich alleine. Der Wind ist heute stärker, aber dafür konstant aus SW. Nach kurzem Kampf mit Wind und Schirm ziehe ich rückwärts auf und bin sofort in der Luft.
Wieder unten im Tal, packe ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht meinen Schirm zusammen.

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