Frêneypfeiler Mont Blanc

600 Klettermeter folgt diese bestechend logische Linie über die zentrale rote Granitsäule, den Frêneypfeiler, hinauf zum Gipfel des Mont Blanc. Die Tour am Frêneypfeiler ist untrennbar verknüpft mit dem unglaublichen Bergdrama, welches sich in den 1960iger Jahren bei einem der ersten Versuchen der Besteigung abspielte und vier der derzeit stärksten Alpinisten dieser Zeit um Walter Bonatti das Leben kostete. Die große Höhe, die anspruchsvolle Freikletterschwierigkeit sowie der gesamtalpinistische Anspruch dieser Tour machen sie auch heute noch zu einer der ganz großen Unternehmungen im Alpenraum.

Kletterlänge: ca. 600 m FelsAusrichtung: Südost
Seillängen: ca. 17Schwierigkeit: 8 (6 A0) bis zu 60° Firn

Zustieg

Startpunkt ist der Parkplatz am Fluss an den Chalets du Miage (Frêney) auf der italienischen Seite des Mont Blanc Massivs auf ca. 1.600 m. Nach Überqueren des Flusses, folgt man dem seilversicherten Steig hinauf zum Refuge Monzino auf 2.590 m. Von dort aus den schuttigen Rücken weiter hinauf bis auf den Glacier du Brouillard. Der Gletscher ist im oberen Teil des Col du Frêney extrem spaltig und aufgeworfen. Ein Aufstieg in der Nacht bzw. den frühen Morgenstunden, solange die Schneebrücken noch fest gefroren sind, ist dringend angeraten. Über bis zu 50 Grad steilen Firn und zuletzt leichte Blockkletterei geht es hinauf zum Eccles Bivac auf knapp 4.000 m.

Das Panorama, welches sich einem hier bietet, ist überwältigend. Die Anzahl der Schlafplätze in den Eccles Bivacs ist jedoch sehr begrenzt (Schachtel oben 6+1, Schachtel unten 9 + 2 Schlafplätze am Boden). Allein aus diesem Grund lohnt es sich bereits sehr früh anzukommen, da die wenigen Plätze in der Hochsaison regelmäßig alle schnell belegt sind.

Der weitere Zustieg erfolgt zunächst auf der linken Seite des felsigen Rückens, der vom Eccles Biwak hinauf zieht, bis zum Pic Eccles auf 4.041 m. Hier wird der Gratrücken nach Nordosten überschritten und bei guten Firnverhältnissen die knapp 60 Grad steile Rinne in das Col de Peuterey abgestiegen, bei aperen Verhältnissen die schuttige Rinne 2 x 60 m abseilen bis auf den Gletscher. Den Gletscher je nach Verhältnissen (Steinschlag!) oberhalb (ca. 50 Grad) bzw. unterhalb des Bergschrundes (flacher) nach Nordosten bis zum Einstieg queren. Der Einstieg ist bei Dunkelheit nur schwer zu finden. Daher am besten die Ankunft am Einstieg gegen Tagesanbruch timen.

Kletterei

Die ersten 50 Meter in relativ beliebiger Routenführung leicht links vom Pfeiler durch schneedurchsetzten Fels/Schotter. Von hier aus leicht nach rechts querend auf den leicht geneigten Pfeilerrücken und dort die nächsten 10 Seillängen entlang von schönen Rissen und Verschneidungen der logisch leichtesten Linie folgen. Für Standplätze und Absicherung ist so gut wie vollständig selbst zu sorgen. Die Schwierigkeit variiert je nach Wahl der Linie zwischen dem 4. und 6. Grad.

Nach Erreichen und Überschreiten eines Firngrates gelangt man nach einer kurzen Plattenstelle an den senkrechten oberen Teil des Pfeilers. Von hier an gibt es definierte Schlaghakenstände sowie die ein oder andere Zwischensicherung.

Die erste schwerere Seillänge folgt einer genialen Risslinie. Wer es sich nicht wie ich unnötig schwer machen will, klettert oben nach links in die Verschneidung. Anderenfalls den sich zu einem Fingerriss verengenden Riss in der fast senkrechten Wand direkt hinauf zum Schlaghakenstand.

Von hier aus an kleinen Leisten nach rechts um die Kante herum und dort großgriffig leicht überhängend bis zum nächsten Stand (viele Zwischenhaken). Von diesem Hängestand über einen kleinen Überhang in eine verdammt glatte Rissverschneidung (einige Normalhaken und Fixkeile). Die Verschneidung endet unter einem Dach, welches ziemlich strange als „Kamindach“ geklettert wird.

Wer hier die Chance auf freie Begehung haben will, sollte die Finger vorher gut aufwärmen (da hier nordseitig auf mittlerweile knapp 4.500 m Höhe) und etwaige Rucksäcke wie im Bild nachziehen. Weiter unschwer wieder in recht freier Linienführung auf der Pfeilervorderseite selbst abzusichernd zum Pfeilerkopf. Vom Pfeilerkopf auf der Rücksiete 15m in eine Scharte abseilen und über schneedurchsetztes Blockgelände und final über eine 50 Grad Firnflanke hinauf auf den Grat zu Mont Blanc Courmayeur bzw. Mont Blanc aufsteigen.

Nächtigung

Nach der ca. 11. Seillänge (Überschreitung Schneegrat und danach noch die Verschneidung rauf bis zum Beginn des Risses der ersten 8er Seillänge) gibt es einen Absatz, auf dem zwei Personen liegend Platz finden (Zwischenstand mit Normalhaken zur Sicherung, exponiert ohne Windschutz). Wer in einem Rutsch durch kommt – vom Mont Blanc noch zum Vallot Biwak absteigen und dort die Nacht verbringen (bei uns ca. 18 Stunden Biwak zu Biwak).

Ausrüstung

  • Ein Satz Camalots, mittlere doppelt
  • Keilesortiment
  • Köpflschlingen
  • Doppelseile 50 m oder länger
  • Leitern, wer die drei schweren Seillängen technisch gehen will
  • Komplettes Hochtourenequipment

Absicherung

Die Tour ist ganz überwiegend selbst abzusichern, was in dem überwiegend festen Granit auch recht gut geht. Lediglich in den drei schwierigen Längen gibt es Normalhakenstände und Zwischensicherungen, die eine A0 Begehung ermöglichen.

Schwierigkeit

Der Freiklettergrad sagt hier wenig über den Gesamtanspruch der Tour aus. Bereits der Zustieg über den spaltenreichen enorm zerklüfteten Gletscher ist alpin sehr anspruchsvoll. Es sind Firn- und Schneeflanken bis 60 Grad zu durchsteigen. Aufgrund der Höhe und Exponiertheit des Pfeilers sind stabile Wetterverhältnisse obligatorisch. Je nach Schneelage und Vereisung der Tour, kann deren Charkter und Anspruch extrem variieren. Nicht zuletzt klettert man den schwierigsten Teil der Tour auf gut 4.500 m Höhe.

Abstieg

Für den Abstieg bieten sich verschiedene Varianten an:

  1. Wenig anspruchsvoll über den Mont Blanc Normalweg über die Goûter Hütte nach Les Houches / Chamonix absteigen (ggf. auch mit Bahnunterstützung ab 2.400 m).
  2. Anspruchsvoll und abhängig von den Bedingungen: Vom Dôme du Goûter über dessen Westgrat absteigen bis auf ca. 4.000 m. Ca. auf Hälfte des Weges zwischen Dôme du Goûter und Aiguille de Bionnassay führt ein schuttiger Felsrücken nach Süden (ganz leicht SW) hinab in das Col des. Aig. Grises (leichte Kletterei, ggf. Randkluft). Über den stark spaltendurchzogenen Geletscher (Begehbarkeit vorher abklären) hinunter zum Refuge Gonella. Von hier aus einen seilversicherten Steig hinab und dem Glacier du Miage folgend, die Tour bei dem sehr anhaltenden Abstieg in wundervoller Landschaft ausklingen lassen. Die letzten Meter fährt ein Bus das Tal hinaus.