Mit der Erstbegehung der Pumprisse am Fleischbankpfeiler im Wilden Kaiser schrieben Reinhard Karl und Helmut Kiene Alpingeschichte. Sie machten das bislang Unmögliche möglich. Die erste Kletterroute der Alpen im 7. Schwierigkeitsgrad war eröffnet. Ganze zehn Jahre dauerte es, bis von Bernd Arnold der Route das erste Mal eine freie Begehung abgerungen werden konnte. Weitestgehend im Stile der Erstbegeher belassen, locken auch heute die Pumprisse trotz ihres großen Namens die Kletterer nicht in Schaaren an. Zu kühn ist die Absicherung, zu hoch der Anspruch. Und wer die Tour wagt, der sollte Risse lieben und am besten ein paar richtig große Freunde dabeihaben.
| Kletterlänge: ca. 300 m | Ausrichtung: Ost |
| Seillängen: 11 | Schwierigkeit: 8+ (7 A1) |
Zustieg
Vom Berggasthof Griesneralm auf 978 m auf dem breiten Wanderweg in Richtung Steinerne Rinne aufsteigen. Bei Erreichen des Kars unterhalb der Steinernen Rinne (Felsblock mit Gedenktafeln, Überschreitung Bachbett) den Weg nach links auf Steigspuren in das Kar hinein verlassen. Am Ende des Kars führt eine steile Schrofenrampe (1er Kletterei) hinauf zum Eggersteig. Diesem nach links noch etwas in die Steinerne Rinne hinein folgen. Auf Höhe des Beginns der Rinne zwischen Fleischbank und Fleischbankpfeiler den Steig nach rechts verlassen und über leichtes Schrofengelände zum Einstieg.
Einstiegsvarianten
1. Über die ersten 5 SL der Rebitsch-Spiegl (7+/6 A0)
1. SL ca. 50 m (ca. 2) die Rinne hinaufkrabbeln bis unter einen leichten Überhang. 2. SL 25 m (4) den Überhang an der linken Wand umgehen bis zu einem ersten Stand (Sanduhr + Schlaghaken). 3. SL 35 m (6-) die Platte schon recht früh nach rechts in die Rissverschneidung queren. 4. SL 35 m (6-) der Rissverschneidung weiter folgen. 5. SL 25 m (7+ / 6A0) Quergang leicht abwärts. Schlaghaken mit Karabiner für Pendel stecken. Frei recht hart bewertet, A0 nur, wenn die Haken denn mal stecken.
2. Über den Brandler-Einstieg (8+/7 A1)
1. SL ca. 50 m (ca. 3) vom Beginn der Rinne der Rebitsch-Spiegl aus nach rechts die grasigen Schrofen hinauf bis auf die Spitze des Kegels zum ersten Stand. Kaum zu sichern. Altes Fixseil. 2. SL 25 m (6-) ein grasiges, für den Nachsteiger unangenehmes, Band hinunter. Dann den etwas zugewachsenen Riss hinauf. Wenige schlechte Haken. 3. SL 25 m (7-) dem Finger- bis Handriss in der Verschneidung folgen. Anspruchsvolle Kletterei. Einige schlechte Haken, aber mit Keilen und kleinen Friends gut zu ergänzen. 4. SL 35 m (8+) kurze kleingriffige Schlüsselstelle in der splittrigen Verschneidung links neben dem Überhang. Viele Rostgurken.
Kletterei
Von Hand-, Faust-, Schulter- bis Körperriss ist alles geboten. Wer gerne und gut klemmt, tut sich deutlich leichter. Es ist vielfach jedoch auch möglich, an kleinen Griffen neben den Rissen auf der Wand zu klettern. Wie der Name schon erahnen lässt, ist die Kletterei der Pumprisse physisch sehr fordernd aber auch wirklich schön.
1. SL 20 m (8+ / 6A1) schwerer Einstig um die Kante herum. Entweder an kleinen Leisten direkt auf Höhe der Dachkante um die Ecke, oder leicht von unten kommend hinauf an die Dachkante. Boulderlastig auf den ersten Metern. Wenn die ersten beiden Haken mal wieder fehlen, hilft ein 0.5er Cam. Danach leichter, mit vielen Haken. Technisch (6A1) nur möglich, wenn die ersten Haken stecken. 2. SL 40 m (7) traumhafter Schulter- bis Körperriss, in den alles aufgeräumt werden will was klemmt und der fantastisch pumpt. 3. SL 20 m (6-) deutlich entspannterer Schulterriss. 4. SL 25 m (6+) super überhängende Faustrissverschneidung. 5. SL 25 m (7) traumhafte überhängende Faustrissverschneidung. 6. SL 30 m (7-) unten abdrängender etwas unangenehm weiter Körperriss.
Ausrüstung
- Ein Satz Camalots bis Größe 6, 3-5 doppelt
- Keilesortiment
- Köpflschlingen
- Doppelseile 50 m oder länger
Absicherung
Die Tour ist ganz überwiegend selbst abzusichern (E4 gem. Panico Kaiserführer). An den Ständen stecken Schlaghaken. Mit den oben gelisteten großen Cams ist die Tour relativ gut abzusichern, wenngleich teilweise trotzdem noch weitere Sicherungsabstände in Kauf genommmen werden müssen. Wer weniger mitnimmt, dem wird die Tour sicher noch besser in Erinnerung bleiben.
Schwierigkeit
Physisch sehr fordernde und von der Absicherung her anspruchsvolle Tour.
Abstieg
Für den Abstieg bieten sich verschiedene Varianten an:
- Wenn in der „Des Kaisers neue Kleider“ rechts neben den Pumprissen – wie es oft der Fall ist – Fixseile von Projektierern hängen, bietet sich diese Tour für eine spektakulär überhängende und schnelle Abseilfahrt runter an den Wandfuß an.
- Anderenfalls vom Pfeilergipfel nach Norden und die Schrofenrampe an ca. alle 20 m steckenden Abseilhaken abseilen. Am Ende der Rampe, nun bereits auf der Westseite des Pfeilers, nach links einem Steiglein bis zu einem weiteren Abseilhaken folgen. An diesem ca. 30 m durch eine Rinne abseilen. Danach über Schotterreißen ins Wildangerkar und über den Eggersteig den Fleischbankpfeiler umrundend zurück zum Einstieg.
