Der Biancograt, auch die Himmelsleiter genannt, ist einer der schönsten Schneegrate der Alpen. Die Überschreitung des 4.049 m hohen Piz Bernina über Bianco- und Spallagrat ist eine Linie, welche hinsichtlich Schönheit und Ästhetik ihresgleichen sucht.
| Talort: Morteratsch 1.896 m | Gipfel: Piz Bernina 4.049 m |
| Schwierigkeit: Hochtour AD, Kletterei 3+, Eis bis 50 Grad | Stützpunkte: Tschiervahütte 2.584 m und Marco e Rosa Hütte 3.609 m |
Tourenbeschreibung
Gewählte Route: Morteratsch – Pontresina – Roseg – Tschiervahütte – Fuorcla Prievlusa – Biancograt – Piz Bianco – Piz Bernina – Spallagrat – Marco e Rosa Hütte – Bellavista – Fortezza – Isla Persa – Morteratsch
Wir wählten den großen Wanderparkplatz Morteratsch auf 1.896 m als Ausgangs- und Endpunkt unserer Tour. Gegen nur fast günstige Gebühr (Achtung Ironie) kann man sein Auto hier auch für mehrere Tage parken. Wer sich den Abstieg mit der Bahn verkürzen möchte, parkt an der Seilbahnstation Bernina Diavolezza.
Von Morteratsch folgten wir dem Flusslauf zunächst in Richtung Nordwest bis nach Pontresina. Von dort aus nach Südwest flach hinein in das wundervoll idyllische Tal Richtung Roseg auf 1.999 m. Auf der linken Seite des Flusses weiter dem Weg folgen, bis sich das Tal nach Südosten hin öffnet und zum ersten Mal den Blick auf den Pitz Bernina ermöglicht. Nun etwas steiler weiter zur Tschierva Hütte auf 2.583 m. Insgesamt ab Morteratsch ca. 14 km und knapp 800 hm Zustieg bis zur Hütte.
Die Tschiervahütte bietet mit Ihrer bis zum Sonnenuntergang in der Sonne liegenden Terrasse sowie einem schönen neuen Anbau mit Panoramafenstern einen tollen Ausblick auf das Tourenziel des nächsten Tages und die umliegende Gletscherlandschaft.
Der Steig von der Hütte Richtung Fuorcla Prievlusa führt Richtung Osten entlang der Südflanken von Pitz Tschierva und Pitz Morteratsch und ist gut mit Steinmännern bzw. reflektierenden Punkten markiert. Auf ca. 3.000 m betritt man zum ersten Mal den – bei überlegter Spurwahl – spaltenarmen Tschierva Gletscher. Je nach Ausaperung der Flanke zur Forcella Prievlusa ist diese stark durch Steinschlag gefährdet, weshalb in der linken Felswand ein seilversicherter Steig angelegt wurde, um diese umgehen zu können.
In der Scharte der Forcella Prievlusa auf 3.426 m können zum ersten Mal der Blick auf den für Ostalpenverhältnisse beeindruckenden Morteratschgletscher und die ggf. ersten Sonnenstrahlen des Tages genossen werden. Von hieraus startet die Kletterei entlang dem nach Süden folgenden Gratrücken. Der Fels ist hier recht fest und bietet herzhaft luftige Kletterei bis zum dritten Schwierigkeitsgrat. Ab und an stecken in den steileren Passagen der ein oder andere Haken. Der Grat lässt sich jedoch bei Bedarf mit Schlingen und ggf. mittleren Keilen/Friends gut absichern. Auf 3.568 m erreicht man einen Gratturm, von welchem an einem Schlingenstand ca. 15 m auf den hier beginnenden Biancograt abgeseilt wird.
Traumhaft geht es nun den immer steiler werdenden Schnee-/Eisgrat hinauf bis zum Pizzo Bianco auf 3.993 m. Die hier beginnende Felskletterei ist noch ein bisschen luftiger als zu Beginn des Grates, wobei gleichzeitig die Felsqualität etwas abnimmt. Von dem mit einem schlichten kleinen Holzkreuz markierten Felsgipfel des Piz Bernina auf 4.049 m bietet sich eine traumhafte Fernsicht. Kein Wunder, da er als einziger 4-Tausender der Ostalpen alle seine Nachbarn überragt. Ca. 5 km und 1.500 hm ab der Tschiervahütte.
Der Abstieg erfolgt über den weiter nach Süden verlaufenden Spallagrat in leichter Kletterei, bzw. über dessen Firnschneide. Auf ca. 3.900 m wird zunächst 3 x 20m nach Osten hin über eine Felsflanke abgeseilt, bevor ein letztes Mal nach Süden auf den Gletscher abgeseilt wird. Von hieraus flott über die Firnflanke des Gletschers hinab zur Marco e Rosa Hütte auf 3.609 m. Nach einer Stärkung auf der etwas spartanischen Hütte machten wir uns gleich an den Abstieg.
Achtung! Die Traverse über den Gletscher Richtung Osten zur Bellavista führt über eine spaltenreichen aufgeworfenen Abschnitt des Gletschers. Wer hier bei zu warmen Verhältnissen zu spät dran ist, bleibt besser eine Nacht auf der Marco e Rosa Hütte. Ggf. auch die Einschätzung des Hüttenwirtes einholen.
Nach Traversierung der vergletscherten Flanke der Bellavista, kurz vor Erreichen der Fuorcla Bellavista nach Norden den Firnrücken hinab in Richtung Fortezza absteigen. Dem Felsrücken des Fortezza immer weiter Richtung Norden folgen (einige Abseilstellen und leichte Kletterei). Nach Abstieg über den Vadret da la Fortzza und etwas weglosem, schuttig-sandigem (unangenehmem) Gelände erreicht man über die Seitenmöräne den Lej da l’Isla See. Von hier aus auf den Morteratsch Gletscher und auf diesem, bzw. seinem Tal, zunächst teiweise weglos, dann tourimäßig ausgebaut, bis zum Parkplatz Morteratsch.
Ca. 15 km und 2.200 hm Abstieg ab Gipfel Piz Bernina. Der gewählte Abstieg über den unteren Teil des Morteratsch Gletschers ist ein unangenehmer Elendshatsch, welcher durch die Diavolezza Seilbahn möglicher Weise etwas entschärft werden kann.
