Im extremen Fels oder doch eher extrem Plaisir? Die direkte Südwand an der Schüsselkarspitze im Wetterstein bietet bei moderater Schwierigkeit traumhafte steile Kletterei vor einer fantastischen Kulisse. Fast könnte man meinen, man klettert einen „Geheimtipp“ und nicht einen Pauseklassiker. Anstatt poliertem Marmor, wie in vielen Pausetouren andernorts, gibt es hier noch rauen, griffigen Fels. Bei der durchgehend soliden Sicherung mit Klebeborhaken – bis auf die leichten Ein- und Ausstiegsseillängen -, hätten die Cams eigentlich fast zu Hause bleiben können. Und dass, obwohl die tollen Risse diese praktisch überall bereitwillig aufgenommen hätten. Aber warum nicht auch mal extrem Plaisir und sich dabei die warme Herbstsonne ins Gesicht scheinen lassen? Eine absolute Empfehlung!
| Kletterlänge: ca. 400 m | Ausrichtung: Süd |
| Seillängen: 10 | Schwierigkeit: 7 (6 A1) |
Zustieg
Von Leutasch aus durch das Puittal oder vom Gaistal aus über die Wangalm in gut 2 Stunden zum Einstieg auf 2.200 m. Beide Aufstiegsvarianten sind landschaftlich schön. Bei Aufstieg vom Gaistal aus besteht die Möglichkeit mit dem Bike bis zur Wangalm hinauf zu fahren/schieben. Zumindest für den Abstieg kommt man dann in den Genuss, sich den ansonsten recht langen Abstig zu versüßen bzw. vorher noch auf ein Gipfelbier auf der Wangalm einzukehren.
Einstieg
Die Einstiegsverschneidung(en) befindet sich links vom Herzog-Pfeiler. Die ehemals links an der Wand neben dem Einstieg angebrachte Gedenktafel ist mittlerweile abgefallen. Es ist nur noch der schwache Abdruck auf der Wand erkennbar. Wenn man im Schüsselkar nicht schon ein paar Touren geklettert ist, sollte man sich nicht ohne eine gute Wandübersicht auf die Suche nach dem Einstieg machen… aufgrund der unglaublichen Vielzahl an Touren ist es ansonst nahezu aussichtslos, den richtigen Einstieg zu finden.
Kletterei
Die Tour folgt einer logischen Linie von steilen, teils überhängenden, Rissen und Verschneidungen. Die Felsqualität ist sehr gut und nimmt lediglich nach oben hin etwas ab.

Ausrüstung
- 12 Expressschlingen
- mittlere Friends
- Doppelseile 50 m oder länger
Absicherung
Die Tour wurde fast vollständig mit gebohrten Klebehaken in moderaten Abständen saniert. Lediglich in der ersten Seillänge (Zwischenstand auf Absatz nach 20m sinnvoll) und den letzten leichteren Seillängen, ist für die Absicherung selbst zu sorgen. Mittlere Cams können fast überall in den Rissen ergänzend verwendet werden um die Hakenabstände bei Bedarf zu verkürzen.
Schwierigkeit
Wer nicht sauber ausspreizt, dem werden die teilweise überhängenden Verschneidungen gut Kraft ziehen.
Abstieg
Im Abstieg wartet der alpin anspruchvollste Teil der Tour. Wer den Abstieg und mögliche Abseilvarianten über verschiedene Touren nicht kennt, sollte hier tunlichst nicht in die Dunkelheit kommen. Nach Erreichen des Gipfels den Grat nach Westen hin abklettern (II-III). Es kommt zunächst eine Abseilstelle nach Westen mit ca. 25-30 m, etwas weiter auf abfallenden Platten vor einem Abbruch ein weiterer Abseilhaken, an welchem ca. 40 m nordseitig abgeseilt wird. Weiter westlich queren und über die Wangscharte 60 m (Zwischenstände etwa alle 20 m) nach Süden hin abseilen (Zeitbedarf 1 – 1,5 Stunden).

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