Die 800m hohe Nordwand der Laliderer Spitze war einst Treffpunkt der Crème de la crème der Kletterszene. Eingebettet in eine traumhafte Gebirgslandschaft, nordseitig, düster, wild, stand sie für Wagemut, das große Abenteuer sowie die ultimative Reifeprüfung für den gestandenen Alpinisten. Der große Nimbus ist der Wand geblieben, doch ist es mittlerweile einsam geworden in der Laliderer. Die Felsqualität ist – gerade im oberen Teil – katastrophal schlecht. Die Absicherung stammt zum Teil noch aus der Zeit der Erstbegeher. Eine mobile Absicherung ist streckenweise praktisch nicht möglich. Die Kletterei ist bis auf wenige kurze Abschnitte kaum lohnend. Die objektiven Gefahren sind aufgrund der schlechten Absicherung, der allgegenwärtigen Gefahr von Griffausbrüchen sowie dem hohen Steinschlagrisiko sehr hoch. Die Wand wirkt damit wie ein Relikt aus lang vergessener Zeit. Wer hier einsteigt, sollte wissen auf was er sich einlässt und warum. Statt „klettern im extremen Fels“, heißt es hier „klettern im extremen Bruch“.
| Kletterlänge: ca. 1.250 m | Ausrichtung: Nord |
| Seillängen: ca. 20-30 | Schwierigkeit: 6 |
Zustieg
Parken auf dem kostenfreien Parkplatz vor der Mautstation Hinterriss. Von dort aus mit dem Mountainbike ein Stück der Risstal Landstraße folgen. Beim ersten Parkplatz auf der rechten Seite die Isar an der Brücke überqueren. Ab hier der Beschilderung und Fahrstraße zur Falkenhütte folgen. Ca. 950 hm und 14 km. Bis auf wenige Schiebepassagen gut mit dem Mountainbike zu fahren. Spätestens bei der Abfahrt zahlt sich das Rad dann voll aus :-).
Vom Sattel unterhalb der Falkenhütte / der Falkenhütte (gutes Essen, frisch renoviert) dem Steig unterhalb der Wand in Richtung Engalm bis zum tiefsten Punkt unterhalb des Einstieges folgen. Dort ziehen zunächst deutliche Steigspuren zum Wandfuß hinauf, die sich nach oben hin verlaufen. Den Einstieg bildet eine große brüchige Verschneidung / Rampe. Ca. 45 Minuten vom Sattel / 60 Minuten von der Hütte.

Kletterei
SL 1 (5): Los geht es immer etwas links haltend von der großen brüchigen (feuchten) Verschneidung. SL 2 (4): Vom Stand grade hoch über brüchige Platten und einen kleinen Wulst. SL 3 (5): Zunächst furchbar brüchig und feucht leicht nach rechts in die steile Verschneidung. Nach oben hin steiler, aber angenehmer. SL 4 (4-): Immer leicht links haltend auf das erste Schichtband. SL 5 (4+): Auf dem Schichtband nach links (nicht schon hier nach rechts queren) und am Schluss über eine gut begrünte kurze Wandstelle hinauf zum Stand. SL 5-7 (3): Über die Platten und das anschließende Band nach rechts queren (grade rauf geht es in die Erdenkäufer/Sigl. SL 8 (5+): Auf dem Band weiter nach rechts. Hinter dem Türmchen leicht abklettern. Von dort aus immer unterhalb der Dachkante bleibend an einem Hangelriss ausgesetzt weit nach rechts queren (die schönste Seillänge). SL 9 (4-): Erst leicht rechts rauf, unter dem nassen, brüchigen Steilstück nach links zum Stand bei einer kleinen Höhle. SL 10 (6): Zunächst leicht nach rechts über einen kleinen Überhang. Dann der Verschneidung folgen, bis es links in die Krebsrisse geht. Pressiges geschrubbe im Riss / der Verschneidung. Trocken vermutlich noch schöner. SL 11 (3+): Leichtes Gelände bis auf den Absatz vor der brüchigen Verschneidung.
SL 12 (5+): Die Rissverschneidung des Grauens… innen nasser lemiger Riss, außen übelster Bruch. Nach oben raus in der kaminartigen Verschneidung besser. SL 13 (4+): Kamin bis zum Pfeilerkopf, dann nach rechts ums Eck. SL 14 (5+): Giftiger Start über den Bauch. Danach geneigte brüchige Wand, die sich über weite Strecken nicht absichern lässt. SL 15 (5+): Laut Topo eigentlich gerade, leicht rechts rauf (wie davor kaum absicherbar). Andi entschied sich daher entlang des linken Teiles der Wand einer abdrängenden leichten Verschneidung zu folgen. Greißlich, auch brüchig, aber passabel absicherbar. Nach knapp 40m kam auch hier ein Stand mit zwei Schlaghaken. SL 16 (5+): Nach rechts rauf wieder zurück in die direkte Linie und über eine letzte steilere Wandstelle auf einen Absatz (Beginn des geneigteren Geländes, ggf. ab hier Zustiegschuhe).
Von hier aus dem Rücken leicht rechts folgend bis zu dessen Ende (dort nochmal kurze gelbe Wandstelle mit feinem Riss). Danach in die nach links ansteigende Gipfelschlucht kurz abklettern und dieser bis zu ihrem Ende folgen. Dort kurze Wandstelle, danach links haltend rauf zur Gipfelrinne. Alles in feinstem Bruch.

Ausrüstung
- 12 Expressschlingen
- Doppelseile 50 m
- Cams X4 (0.1-0.3) sehr of gut zu gebrauchen
- Satz Cams 0.3 – 4
- Satz Keile
- Satz Haken
- Schlingen, Standplatzkrake
Absicherung
Die Tour ist ganz überwiegend (inkl. Stände) selbst abzusichern. Es stecken wenige alte Schlaghaken. Die mobile Absicherung ist aufgrund der Schichtung und der Brüchigkeit des Fels teilweise nur sehr begrenzt möglich (besonders in den SL 14-16).
Schwierigkeit
Die Kletter-Schwierigkeitsangaben laut Panico Führer (siehe auch oben) haben für uns gepasst. Der deutlich höhere Gesamtanspruch resultiert jedoch aus dem brüchigen Gestein, der streckenweise nur kosmetischen Absicherung und dem daraus resultierenden mentalen Anspruch. Insgesamt eine sehr lange, sehr alpine und aufgrund von ständigem Steinschlag- und Griffausbruchrisiko objektiv gefährliche Unternehmung.
Abstieg
Am Gipfel in Richtung Westen (Herzogkante) wenden, Steigspuren folgend erst ins flachere Gelände absteigen und dort bis zur Biwakschachtel die Hänge queren (ca. 30 Minuten). Die Biwakschachtel ist komfortabel ausgestattet und sollte unbedingt genutzt werden, wenn für den Abstieg durch die Spindlerschlucht nicht mehr ausreichend Tageslicht zur Verfügung steht (von hier zur Sicherheit bis zur Falkenhütte 3,5 – 4 Stunden einplanen).
Den Abstieg durch die Spindlerschlucht nur bei trockenen und schneefreien Bedingungen machen! Bei schlechter Sicht, einsetzendem Regen, Schnee usw. in jedem Fall besser den Steig in Richtung Süden / Hinterer Boden / Rossloch / Kastenalm / Scharnitz absteigen. Den Einstieg zur Spindlerschlucht erreicht man von der Biwakschachtel zunächst absteigend, dann nach Westen querend und im Anschluss wieder aufsteigend (ca. 45 Minuten).

Über die Spindlerschlucht wird ca. 8-10 mal abgeseilt (teilweise Ringe, teilweise Schlingenstände) und über weite Strecken, verblassten grünen Markierungen folgend, in 2er/3er Gelände abgeklettert. Die gesamte steile Schlucht ist schuttbedeckt, so dass zum einen sehr sorgfältig gestiegen werden muss und zum anderen das Auslösen von Steinschlag nahezu unvermeidbar ist. Wenn hier mehrere Seilschaften unterwegs sind oder Regen einsetzt, regnet es Steine. Die Wegfindung ist nicht ganz trivial und bietet viele Möglichkeiten zum verkoffern in absturzgefährdetem brüchigen Gelände. Daher keinesfalls bei schlechter Sicht begehen. Eine alpine Unternehmung für sich.

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