Erhaben thront der Petit Clocher du Portalet über dem Tal. Ein knapp 300 m hoher Monolith aus Granit, durchzogen von perfekten Risslinien… jedes Kletterherz wird bei diesem Anblick höherschlagen. Je näher man ihm kommt, umso steiler ragen die Wände empor, umso mehr wächst die freudige Anspannung. Die Risse lassen sich perfekt mit Cams absichern. Wo die Selbstabsicherung mal schwierig wird, dort stecken Bohrhaken. Während die Esprit du Portalet schnurgerade durch die kompakte, sonnige Ostwand zieht, folgt die Ètat de Choc in athletischer Kletterei einer großen Rissverschneidung durch die noch steilere Nordwand. Zwei perfekte Touren, die ganz sicher zu den besten Trad Touren der Alpen gehören.
Esprit du Portalet mit Direktausstieg
Erstbegeher M. Darbellay u. L. Frotte 1967, Direktausstieg Pate Little John u. Steve Jones 1983
| Kletterlänge: ca. 250 m | Ausrichtung: Ost |
| Seillängen: 7 | Schwierigkeit: 7a |
Ètat de Choc
Erstbegeher Claude und Yves Rèmy 1983
| Kletterlänge: ca. 270 m | Ausrichtung: Nord |
| Seillängen:9 | Schwierigkeit: 7a |
Zustieg
Von Praz-de-Fort der Fahrstraße noch bis zum letzten zulässigen Parkplatz auf ca. 1.300 m folgen und dort parken (wer wie wir bis zum Ende der Straße hinauffährt bis auf 1.600 m und dort parkt, spart sich 300 hm Zustieg und freut sich danach über ein 100 CHF Parkticket). Auf 1.550 m an der Gabelung der Fahrstraße nach rechts folgen bis zu deren Ende. Von dort aus dem Steig in Richtung Cabane d Orny CAS folgen. Wer direkt zusteigt, muss auf 2.200 m in einem Blockfeld beim zweiten Wasserfall den Bach an einer Drahtseilbrücke überqueren (siehe Bild, alten Karabiner zum Durchschleifen oder Seilrolle mitnehmen). Der Weiterweg zum Fels auf ca. 2.500 m einer Pfadspur folgend, ist gut mit Steinmännern und roten Punkten markiert. Ansonsten dem guten Steig weiter bis zur Hütte auf ca. 2.850 m folgen. Die Hütte ist schön gelegen und das Essen ist gut und reichhaltig:-). Von der Hütte Zustieg zum Fels in ca. 1 Stunde. Schmelzwasser gibt es genug am Gletscher. Beim Trinken des Wassers aus den Bächen hat der ein oder andere wohl schon aufgrund der zwei darüber liegenden Hütten Probleme bekommen.

Kletterei – esprit de clocher
Seilfrei dem auf der Nordseite startenden Steig bis vor die Ostwand folgen. Leichte Kletterei (2-3) über die Steilstufen vor der Wand. SL 1 (6b+): Wir sind die linke Originalvariante entlang einer Rissverschneidung geklettert. Wand/Handriss, 4 Bohrhaken, ca. 45-50m. Die rechte direktere Variante sieht oben nach Fingerriss aus. SL 2 (6c+): Erst steil über Blöcke, dann eine flache Rissverschneidung. Zum Stand hin auf Piaz wechseln. 5 Bohrhaken, ca. 30m. SL 3 (6c): Erst noch eine giftige Wandstelle, danach leichter zum Stand. Ein paar Schlaghaken, ca. 30m. SL 4 (6b): Eine herrliche Risslinie (Hand/Faust) super komplett abzusichern mit Friends. SL 5 (6c+): Traumhafter nach rechts abdrängender Handriss. Oben breiter Körperriss. Dort ein Bohrhaken, ca. 25m. SL 6 (7a): Hier besteht die Möglichkeit der Originallinie an Schlaghaken einem Hangelriss nach links zur Kante zu folgen. Wir haben den Direktausstieg gewählt. Erst traumhaft Hand-/Faustriss. Dann ein super Schulterriss in dem das Knie perfekt klemmt. Hier ist ein 5er Cam notwendig. SL 7 (6a+): Dem Risskamin über einen leichten Überhang nach links in das leichtere Gelände darüber folgen. SL 8 (5c): In leichter Kletterei zum Gipfel. Abseilen über die Tour.
Material
Ein Satz Cams 0.3 – 3.0 (0.5 – 1.0 doppelt), 4.0 und 5.0 für den Direktausstieg

Kletterei – ètat de choc
SL 1 (6c+): Es bieten sich zwei Startmöglichkeiten. Links – die von uns gewählte Variante – startet mit zwei sichtbaren Bohrhaken in eine Verschneidung und folgt dann weiter komplett an Bohrhaken einem Bogen (giftig) nach rechts zum gemeinsamen Stand der ersten Seillänge, ca. 35m. Die Originalvariante, die unten an einem Bohrhaken mit Seilschlinge startet, ist etwas direkter und mit 6b wohl auch etwas leichter. SL 2 (6b): Erst kurz entlang eines Fingerriss in einer Verschneidung, dann über leichtes Schrofengelände zum Stand ca. 35m. SL 3 (6c): Eine kurze giftige Wandstelle an einem Bohrhaken, danach über Absätze leichter zum Stand, ca. 25m. SL 4 (6c): Vom Stand auf dem Absatz etwas nach links. Von dort aus ca. 10m dem herrlichen Hand-/Faustriss folgen. Danach deutlich leichter durch den Kamin mit weiterhin tollem Riss. Es besteht die Möglichkeit nach ca. 35m an einem Schlingenstand Stand zu machen. Ansonsten befindet sich der nächste Stand nach weiteren 10-15m auf einem Absatz. SL 5 (7a): Erst weiter leicht in der Kaminverschneidung bis unter das Rissdach. Dort Helm ab und ein bisschen hinein. Wenn es nicht mehr nach oben geht, muss es raus an die Kante gehen:-). Danach weitere 30m breiter Schulterriss. Kurz vorm Stand der einzige Bohrhaken. Nur wer hier auf Piaz wechselt gewinnt. Brutal anstrengende 50m. SL 6 (6c): Vom Stand über einen kleinen Bauch. Danach traumhaft zwei parallele Hand- /Faustrisse. SL 7 (7a): Entlang dem lehnenden Block über die kurze steile Verschneidung auf den nächsten Absatz, 4 Bohrhaken, ca. 25m. Links herum ist die 7b Variante. Sinnvoller Weise auf dem Blockabsatz selbst einen Stand bauen. Der eigentliche Borhakenstand ist hier direkt rechts um die Kante, nicht zu sehen und ziemlich dämlich anzuklettern. Zudem wäre es dann möglich, der tollen Risslinie links zu folgen, anstatt der Linie vom Stand weg entlang einer Reihe von Schlaghaken. SL 8 (6b+): Erst der unangenehmen leichten Verschneidung entlang der Schlaghaken folgen, dann nach rechts steil, aber leicht, über Blöcke zum Stand, ca. 40m. SL 9 (4a): Plaisir zum Gipfel, 20m. Abseilen über die Tour über die Stände der Ave Ceasar.
Material
Ein Satz Cams 0.3 – 5.0 (1.0-4.0 doppelt)

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