„Eine der lohnendsten Rissklettereien der Ostalpen“. Na wenn der Führer das sagt, dann mussten wir da natürlich hin:-) Die Tschechenplatte, an der Speckkarspitze-Schnitelwand im Karwendel, ist eines der Beispiele dafür, dass der Karwendelkalk auch alles andere als brüchig sein kann. Wie eine mit dem Messer geschnittene Mauer ragt die Schnitelwand empor. Die vertikalen Risslinien versprechen Risskletterei vom Feinsten. Es darf herzhaft geklemmt und geschrubbt werden. Bis auf die gebohrten Stände ist die Tour komplett trad abzusichern. Zu Recht einer der ganz großen Klassiker! Erstbegangen 1979 von Jiri Novak, Pavel Krupka, Jan Dubal. 1.RP und Direktausstieg Heinz Zak.
| Kletterlänge: ca. 160 m | Ausrichtung: Nord |
| Seillängen: 7 | Schwierigkeit: 8- |
Zustieg
Von Scharnitz aus mit dem Bike Richtung Halleranger Haus immer entlang der malerischen Isar. Bis zur Kastenalm (ca. 1h) geht es auf der Forststraße mit nur marginaler Steigung. Bis hierhin kann man gut und gerne auch mit einem City Bike fahren. Zu Fuß sicherlich ein Endloshatscher und nicht zu empfehlen. Hier gabelt sich das Tal. Wer am „Zustiegstag“ noch ordentlich was klettern möchte, biegt nach links ab und erreicht nach weiteren ca. 10 min. die Repswand mit ebenfalls grandiosen Touren. Wer direkt aufsteigt, biegt an der Kastenalm nach rechts ab zum Halleranger Haus. Ab hier geht es zunächst sehr steil eine Stufe hinauf. Hier ist Schieben angesagt. Danach neigt sich der Talgrund jedoch wieder zurück und es kann mit mal mehr, mal weniger Steigung bis zum Halleranger Haus gefahren werden. Das Halleranger Haus bietet sich mit seiner klasse Sonnenterrasse und nettem Team hervorragend als Stützpunkt an. An Speckkarspitze Nordwand und Lafatscher Nordostwand sind so viele lohnende Touren, dass sich ein mehrtägiger Aufenthalt – auch in Hinblick auf en weiten Zustieg – auf jeden Fall lohnt. Die Speckkarspitze-Schnitelwand erreicht man vom Halleranger Haus zu Fuß in 15 min. auf dem Steig Richtung Speckkarspitze/Durchschlag.

Kletterei
SL 1 (6+): Die grasige Rampe hinauf bis in die Verschneidung. Der Sicherer geht hier am besten gleich mit und sichert von dort aus (solide Sanduhr und Schlaghaken). Von hier aus nur 5 Meter (leicht unangenehm) um die Kante herum bis zum ersten Stand. SL 2 (8-): Vom Stand auf dem Absatz nach rechts. Dann hoch auf den nächsten Absatz und diesem wieder nach rechts folgen, bis ein Fingerriss mit zwei Schlaghaken gerade hoch zum Stand leitet. SL 3 (7-): Vom Stand in der großen Verschneidung ca. 15 m dem Band folgend nach rechts traversieren. Zwei Schlaghaken, leicht brüchig. SL 4 (7+): Hier startet das pure Rissvergnügen. Der Riss drängt nach links ab. Die Wand darunter/daneben bietet wenig bis keine Tritte. Es darf fleißig gepiazt und geklemmt (überwiegend Hand) werden. SL 5 (7): Vom Stand etwas nach links in den super Fingerriss. Danach wieder überwiegend Hand. Am folgenden Stand bietet sich die Möglichkeit, entweder gerade hinauf den Direktausstieg (7) oder rechts den Originalausstieg (7-) zu klettern. Beides zwei Seillängen. Entgegen der Zeichnung im Panico Führer hat auch der Direktausstieg nach 25m noch einen Zwischenstand. Der von uns gewählte Direktausstieg: SL 6 (7): Zunächst kurz und knackig Fingerriss, danach Hand bis oben hin weiter werdend zu Faust. SL 7 (6): Easy Hand-/Faustriss bis zum Top.

Die vier Rissseillängen gehören zu den besten Rissen, die mir im Kalk in den Ostalpen bislang unter die Finger gekommen sind. Die Tour hat ihren Ruf somit in meinen Augen vollkommen zurecht.
Da oberhalb der Schnitlwand ein Absatz und viel gestuftes Gelände liegt – und da nordseitig – bleiben die Risse sehr lange nass. Man braucht also schon eine längere Trockenphase im Sommer, um die schönen rauen Risse mal trocken vorzufinden.
Ausrüstung
- 10 Expressschlingen
- Doppelseile 50 m
- Komplettes Set Cams 0.3 – 4.0 (1.0 und ggf. 4.0 für Originalausstieg doppelt) zudem entweder einen Strauß Keile oder stattdessen Mircocams.
Absicherung
Die Stände sind alle mit Edelstahl Klebehaken saniert. Nur in den ersten drei Seillängen stecken vereinzelt Haken. Der Rest der Tour ist selbst abzusichern, was naturgemäß auch wunderbar geht.

Schwierigkeit
Die Schlüsselseillänge ist nur auf wenigen Metern – vom Fingerriss bis zum Stand – schwer, aber dort durch die Schlaghaken und danach einen Cam gut gesichert. Die Risse müssen auch als solche geklettert werden, bieten aber auch immer wieder gute Ruhepositionen. Insgesamt ergibt sich der Anspruch der Tour daher eher aus dem Gesamtpaket des physischen als auch mentalen Anspruchs durch die Selbstabsicherung.
Abstieg
Über die Tour kann mit 50 m Doppelseilen auf 3 x abgeseilt werden.

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