Oberreintalturm – Heidi

Dass das Oberreintal für Kletterer ein Paradies ist, ist weithin bekannt. Wenn da nicht der elendslange Zustieg wäre… aber ohne ihn wäre es sonst vielleicht überlaufen?! Denn das Oberreintal ist ein magischer Ort. Wie in einem Amphitheater ragen die Felswände ringsum gegen Himmel. Ein Ziel lohnender als das andere. Gerade in den heißen Sommermonaten, lässt es sich hier in den vielen schattigen Nordwänden besonders gut aushalten. Heidi, 1993 erstbegangen von der Familie Hillmaier, bietet auf 260 Klettermetern, 9 Seillängen teils plattige, teils luftige Kletterei, bei etwas alpinerer Absicherung.

Kletterlänge: ca. 260 m Ausrichtung: West
Seillängen: ca. 9-10Schwierigkeit: 7+

Zustieg

Vom Skistadion Garmisch-Partenkirchen auf ca. 750 m entweder zu Fuß durch die Partnachklamm, oder mit dem Rad die geteerte Straße über die Partnachalm nehmen. Der Forststraße entlang des Reintals/der Partnach immer weiter Richtung Südwesten bis kurz vor die Bockhütte auf ca. 1.050 m folgen (auch mit dem Bike bis hierhin ein auf und ab, aber deutlich kurzweiliger als die 9 km zu Fuß zu gehen). Hier nach links Richtung Süden auf den Steig zur Oberreintalhütte abzweigen. Von der Oberreintalhütte auf 1.530 m nach rechts dem Steig die Wiesen hinauf folgen, welcher die Steilstufe an ihrem rechten Rand überwindet. Weiter zum Wandfuß auf ca. 1.800 m.

Kletterei

Der Einstieg befindet sich ca. 10 m links einer großen Verschneidung. Die erste Seillänge folgt einer leicht nach links laufenden Risslinie.

SL1 (6): Einer Risslinie folgend die Einstiegswand überwinden. SL2 u. 3 (3/4-): Der leichtesten Linie durch das gestufte Gelände mehr oder weniger grade nach oben folgen. SL4 (7): Den kleinen, giftigen Überhang an seiner linken Seite überklettern. Danach dem Rücken nach rechts folgen. SL5 (7-): Rechts vom Stand weg zunächst grade hoch, dann diffizil und für den Grad anspruchsvoll über die Platte zum Stand unter dem Überhang traversieren.

SL6 (6+): Links henklig über den Überhang (die rechte Linie ist der Himbeertoni). SL7 (7+): Geradeaus entlang der Verschneidung, dann nach links diffizil über die Platte in eine Verschneidung queren. Aus der Verschneidung nach links auf die herrlich luftige Pfeilerkante. SL8 (6+): Vom Stand leicht diagonal nach rechts aufsteigen und über eine kurze Plattenstelle zum Stand. SL9 (6+): Einer herrlich wasserzerfressenen Risslinie bis auf die Gradkante (Fahrradkante) folgen (einen Stand habe ich hier nicht mehr gefunden, aber es lässt sich an der grandiosen Kante mit Schlingen praktisch überall ein Stand einrichten). SL10 (3): In herrlicher dem Grat noch ca. 70 m nach Norden folgend bis zum Gipfel.

Ausrüstung

  • 12 Expressschlingen
  • Doppelseile 50 m
  • Set Cams z.B. 0.3 – 3.0, Schlingen

Absicherung

Die Tour ist mit Bohrhaken in teilweise weiteren Abständen abgesichert. In den leichteren Seillängen werden Cams und Schlingen zur Absicherung benötigt. In den schwereren Seillängen kann die Absicherung mit Cams gut ergänzt werden.

Schwierigkeit

Nach dem leichteren Vorbau, steilt die Wand zunehmend auf. Der erste Überhang in SL4 ist giftig und will motiviert angegangen werden. Der Plattenquergang in SL5 ist für den genannten Schwierigkeitsgrad recht anspruchsvoll. Die Schlüsselseillänge löst sich hingegen gut auf. Ein bisschen Reichweite kann hier jedoch nicht schaden:-). Insgesamt eine etwas alpinere Unternehmung. Der aufgerufene Schwierigkeitsgrad sollte sicher geklettert werden.

Abstieg

Dem Gipfelgrat einmal im Halbrund folgen, bis gegen Westen in dem vom Grat eingeschlossenen Kessel über einen Wiesenhang zum Felsfenster abgestiegen werden kann. Dem Steig entlang einem Rücken nach unten folgen. An dessen Ende beginnt eine steile Rinne über die an massiven Abseilständen im Abstand von ca. 20 m nach Westen 6 x 20 m abgeiselt wird.