Speckkarspitze-Nordwand – Hundert Wasser

Route, oder Kunstwerk (der Natur)? Nahe des Isarursprungs im Halleranger, eingebettet in eine Umgebung von fast unwirklicher Schönheit. Die mauergleichen Abbrüche von Lafatscher und Speckkarspitze lassen jedes Kletterherz höherschlagen und widerlegen das Vorurteil, dass im Karwendel nur Bruch zu finden sei. Die Speckkarplatte ist eine dieser strukturlosen, kompakten Mauern aus Fels. Durchzogen von einer von Wandfuß bis Ausstieg führenden Risslinie mit messerscharfen Griffen in (bis auf die letzten beiden Seillängen) bombenfestem Kalk. Für Kletterer, ein wahrgewordener Traum aus Fels und zu Recht als eine der besten Routen im Karwendel gehandelt. Erstbegangen 2009 von Reinhold Scherer und Dieter Stöhr.

Kletterlänge: ca. 200 m Ausrichtung: Nord
Seillängen: 7Schwierigkeit: 8

Zustieg

Vom Wanderparkplatz in Scharnitz mit dem Bike der Forststraße entlang der Isar in Richtung Kastenalm/Halleranger Haus/Alm folgen. Nach ca. 14 km bei der Kastenalm den rechten Abzweig über eine Brücke, in Richtung Halleranger Haus/Alm nehmen. Wer sich noch aus eigener Kraft bewegt, wird den folgenden sehr steilen Teil das Rad wahrscheinlich schieben. Aber ist die Steilstufe erst überwunden, fährt sich die Forststraße – bis auf vereinzelte steile Abschnitte – wieder sehr gut. In flott 2 Stunden erreicht man Halleranger Haus oder Halleranger Alm, wo man die Räder parkt. Von dort aus jeweils der Isar noch ein Stück hinauf bis zu einem großen freien Almgrund folgen. Von diesem führt am linken Rand einer großen Schuttrinne ein Steig hinauf zu den Schotterhalden am Wandfuß. Etwa 30 Minuten zu Fuß bis zur Wand. Auch wenn das Rad die Steilstufe hinaufschieben eine rechte Quälerei ist und man auch in Erwägung ziehen könnte die Räder unten an der Kastenalm zu lassen, so entschädigt die flotte Abfahrt dann doch jedes Mal aufs Neue. Nichts desto trotz ist der Zustieg lang und da Halleranger Haus und Alm beide super sind, sollte man – wann immer möglich – besser zwei Tage Klettern mit Übernachtung im Halleranger einplanen.

Kletterei

Der Einstieg (Riss in mauergleicher Wand) 10 m links von einem großen Überhang ist nicht zu verfehlen.

SL1 (8): Die offensichtliche Riss-/Verschneidungslinie bis auf den ersten Absatz startet anhaltend giftig und wird erst nach oben hin leichter. Dank der stehts unpässlich abwärts geschichteten Strukturen rechts vom Riss, darf mehr diffizil gestanden als gezogen werden, weshalb diese Seillänge besser auch wirklich trocken sein sollte. SL2 (7): Begeisternder, großgriffiger, nach rechts ziehender Hangelriss. SL3 (8-): Auch 40 m großgriffige, fantastische Hangelrisstraverse durch eine ansonsten glatte Wand können ganz schön pumpen. SL4 (8): Hier startet die 60 m lange senkrechte Wasserrille. Der Riss bietet kaum Möglichkeiten zum Klemmen, sondern eher Seitgriffe für Piaz- und Schulterzüge.

SL5 (8-): Die enger werdende Wasserrille darf an messerscharfen Kanten über weite Strecken gepiazt werden. Kurz vor dem Stand dann noch ein Zug an großen Griffen und schlechten Tritten im Kampf gegen die offene Türe.

SL6&7 (6-): SL 6 & 7 können gut zusammengehängt werden. Hier wechselt die Tour ihren Charakter. Der Fels im Ausstiegskamin ist scharf, stark strukturiert und etwas… karwendlig. Nach zuvor reiner Sportkletter- kommt hier ein bisschen Alpinkletterstimmung auf.

Ausrüstung

  • 11 Expressschlingen
  • Doppelseile 50 m, 60 m komfortabel zum Abseilen

Absicherung

Die Tour ist bestens mit Bohrhaken abgesichert.

Schwierigkeit

Die anhaltende, schwer zu stehende erste Seillänge bildet die Schlüsselseillänge der Tour. SL 2&3 sind großgriffig und ausdauernd. In SL 4 wechseln sich anspruchsvollere Passagen immer wieder mit sehr guten Rastpositionen ab. In der kleingriffigeren SL 5 wird belohnt, wer konsequent piazt und flott klettert.

Abstieg

Abseilen über die Route. Mit 60 m Halbseilen ist das Abseilen auf drei Mal möglich.