Jedes Mal, wenn man von Norden aus ins Sarcatal hinabfährt, ist sie die erste große Wand, an der die Blicke hängen bleiben. Die Südwand des Piccolo Dain. Wie oft saßen wir schon unten bei der Eisdiele und haben zu diesem gelb-grauen Dreieck hinaufgeschaut, wie oft im Führer geblättert und wieder festgestellt, dass alle Touren durch die Wand entweder technische Kletterei, oder aber hohe Freikletter-Schwierigkeiten erfordern. Entschieden haben wir uns letztlich aufgrund der historischen Bedeutung für die „Scirocco“. 1988 von Rolando Lacher und Gef. erstbegangen, war sie die erst zweite Tour Italiens, die in freier Kletterei von unten mit dem Bohrmeißel eingebohrt wurde. Eine wirklich herausragende Tour, welche sich in direkter Linie und anhaltender Schwierigkeit ihren Weg durch den gelben, kompakten Fels der Südwand sucht. Nachdem die Route zuletzt saniert und durchgängig mit 10mm Bohrhaken ausgestattet wurde, ist sie uneingeschränkt zu empfehlen.
| Kletterlänge: ca. 200 m | Ausrichtung: Süd |
| Seillängen: 8 | Schwierigkeit: 7c |
Zustieg
Parken in Sarche am Parkplatz der Boccia-Anlage (Kegelhalle). Zunächst dem Steig Richtung Ferrata R. Pisetta folgen. Nachdem man den ersten der neu gebauten Schutzwälle über ein kurzes, steiles Steilstück überstiegen hat, dem Pfad länger auf gleicher Höhe nach links, in Richtung des sichtbaren Felsvorbaus folgen. Hier beginnt ein größer, steil ansteigender Pfad Richtung Ranzo, welcher über Stufen den Felsforbau Richtung Westen überwindet. Dem Pfad folgen, bis knapp unterhalb der Höhe des Wandfußes ein Steig nach rechts zu diesem abzweigt. Über Schrofen, teilweise mit Fixseilen, an den Wandfuß und an diesem entlang. Der Einstieg befindet sich an der zweiten deutlichen Lichtung, rechts von einer Risslinie, in einer leichten Verschneidung auf einem erhöhten Absatz (alte Bohrhakenlasche als Stand).

Kletterei
SL1 (6B): Der erste Haken in der Einstiegsverschneidung (Bild s.o.) sieht unangenehmer anzuklettern aus, als er es ist:-). Danach schöne Wandkletterei, am Ende mit einem Rissband, das zum Stand auf einem Absatz führt. SL2 (7a): Anhaltende Kletterei um die 6c. In der Mitte der SL wartet jedoch eine Boulderstelle auf, welche mMn. die Eintrittskarte zur Tour darstellt. Die Bewertung mit 7a ist hier tendenziell sportlich, subjektiv wahrscheinlich eher gegen 7a+/7b.

SL3 (7a): Sehr schöne, anhaltende, kleingriffige, technische Wandkletterei. SL4 (7c): Die Schlüsselseillänge startet mit einer überhängenden Verschneidung. Die Verschneidung löst sich noch recht gut auf (7a+/7b). Nach der Verschneidung wartet in einem 2 m Linksquergang die Schlüsselstelle mit sehr seichten Griffen und plattigen Reibungstritten auf (siehe Bild unten). Der schöne Quergang danach ist großgriffig und löst sich damit für Vor- und Nachsteiger entspannt auf.

SL5 (6c+): Nach einer kurzen steilen Rissverschneidung, neigt sich die Wand ein wenig nach hinten. Wer sich auf eine „leichte Seillänge“ zum entspannen gefreut hat, stellt fest, dass hier plötzlich die Hakenabstände deutlich weiter werden und der aufgerufene Grad hier zwischen den 5 m auseinander liegenden Haken geklettert werden mag. SL6 (7a): Vom Stand nach rechts über einen kleinen Überhang. Der Abstand vom 1. zum 2. Zwischenhaken sieht weit aus (ist es auch:-), löst sich aber gut auf. Danach weiterhin homogene Wandkletterei um 6c, bevor am Schluss zum Absatz nochmal zwingend an guten Leisten, in weiten Zügen motiviert zugepackt und über den Haken gestiegen werden darf (7a+).

SL7 (7b): Zunächst in traumhafter Kletterei die Verschneidung hinauf (homogen 6c+). Die Krux wartet zum letzten Bohrhaken hin. Hier sehr schöne Kletterei an kleinen Leisten und einer Zange. Aufgrund der guten Tritte, löst sich die Stelle jedoch schön auf. Die Traverse nach rechts, über den grauen Fels bis zum Stand, ist wiederum etwas weiter, jedoch auch nicht mehr schwer (Bild unten). SL8 (6a): Die letzte Seillänge folgt einer Verschneidung, die bis zum Ausstieg aus der Wand führt. Trotz der niedrigeren Schwierigkeit muss hier nochmal aufmerksam geklettert werden, da der Fels hier im Gegensatz zur restlichen Wand nicht mehr überall fest ist und die Hakenabstände mit 8-10 m nur noch eine Minimalabsicherung darstellen.

Ausrüstung
- 12 Expressschlingen
- Doppelseile 50 m (für den Falle eines Rückzugs aus der Wand). Wir hatten ein Vollseil + Halbseil für den Haulbag.
Absicherung
Die Tour ist grundsätzlich gut mit Bohrhaken gesichert. Die alten 8mm Bohrhaken wurden (ganz überwiegend) durch neue 10mm Bohrhaken ersetzt, die Stände mit Kette verbundenen Bohrhaken versehen. In der 6. SL sind die Abstände jedoch teilweise weit, in der 8. SL sehr weit. In der letzten SL ließen sich die Abstände durch ein paar mittlere Cams entschärfen. Die Cams haben aber im Rest der Tour keine Verwendung.
Schwierigkeit
Geniale, super homogene Kletterei durch eine steile Wand. Die vielen schweren Seillängen machen die Tour zudem recht ausdauernd. In der Schlüsselstelle sind die Hakenabstände so gering, dass diese theoretisch technisch überwunden werden kann. Entsprechend der Begehungsform (von unten mit dem Bohmeißel), stecken die Bohrhaken ansonsten entsprechend regelmäßig vor und nach den Schlüsselstellen der einzelnen Seillängen, so dass viel obligatorisch (bis 7a+/7b) zwischen den Haken geklettert werden muss.
Abstieg
Oberhalb des Ausstiegs der Tour führt ein deutlicher Steig nach Westen. Über diesen steigt man steil, teilweise mit Fixseilen, über die Schrofen ab. Der Abstieg erfordert nochmal Konzentration. Wenn es spät wird nur mit Stirnlampe, bei Nässe heikel.

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