Wer auf der Suche nach feinster Granit- und Risskletterei ist, der wird am Taufenkopf im Zillertal fündig. Zudem noch ein äußerst kurzer Zustieg und das von Bayern aus wohl am schnellsten zu erreichende Granitklettergebiet. In unseren Augen vollkommen zurecht, hat daher die 1984 von Darshano L. Rieser und Gerhard Hörhager erstbegangene „Sei Poet“ Eingang in den Auswahlführer „Moderne Zeiten“ gefunden. Auf 180 südseitigen Klettermetern darf hier beherzt geklemmt und mit Cams selbst abgesichert werden. Eine ideale, schon früh im Jahr mögliche Tour, als Einstimmung auf die größeren Unternehmungen in den Westalpen.
| Kletterlänge: ca. 180 m | Ausrichtung: Südwest |
| Seillängen: 7 | Schwierigkeit: 6c |
Zustieg
Von Mayrhofen im Zillertal mit dem Auto Richtung Ginzling. Ca. 1,5 km vor Ginzling befindet sich direkt hinter der Ausfahrt der Schliffstein-Galerie auf der rechten Seite ein kleiner Parkplatz für ca. 4-5 Autos. Dort parken, die Straße überqueren und rechts den Rücken neben einem Lawienengraben die Wiese hinauf zu der schon gut sichtbaren Wand aufsteiegen. Am Ende der Wiese triftt man auf einen Steig, der den Wandfuß entlang zum Einstieg hinaufführt. Ca. 25 Minuten vom Parkplatz. Zuerst erreicht man den offensichtlicheren Einstieg der Nachbartour „Mein Komet“ in einer gelb/rote Verschneidung. Der Einstieg der „Sei Poet“ befindet sich um die Ecke in einer Rissverschneidung. Dazwischen befindet sich in der Wand noch ein etwas schwerer aussehender Baseclimb.

Kletterei
SL1 (6+): Die graue Rissverschneidung hinauf bis auf einen grasigen Absatz. Kurzes grasiges/sandiges Stück mit Fixseil. SL2 (7-): Zunächst rechts steil einem schmalen Riss folgen. Danach Plaisier durch eine blockige Rissverschneidung.

SL3 (5): Nach links erst luftig um die Kante. Danach folgt der Botanikquergang über den Pfeilerkopf. Der Botanikquergang bleibt einem auch bei Einstieg über die „Mein Komet“ nicht erspart (hier jedoch mit Fixseil durchs Gemüse).

SL4 (7): Hier beginnt das Vergnügen. Der zwischen hand- und faust-breite Riss lässt sich wunderbar klemmen und mit Cams absichern. Bereits nach ca. 15 m kommt ein Zwischenstand (verbundener Bohr- und Schlaghaken). Diesen überklettern zu dem nach weiteren 10 m kommenden Stand mit zwei mit Kette verbundenen Bohrhaken.

SL5 (7+): Vom Stand weg geht es nach links in einen breiten Riss (4er Cam). Wer hier auf Körper in den glatten, sich nach außen öffnenden Riss kriecht, macht sich das Leben unnötig schwer. Gepiazt geht es wunderbar. Danach hat man die Qual der Wahl. Entweder den Riss gerade hinauf in die Lyriker Variante (7) oder nach rechts in den Riss der Original-Führe (7+). Krönender Abschluss der Original-Variante ist eine stumpfe Hangelkante mit schlechten Tritten.

SL6 (6+): Nach einer kurzen Risspassage durch die glatte Wand, geht es danach eine wunderbare geneigte Verschneidung mit tollen Leisten hinauf. Nach der Verschneidung lässt sich auf einem Absatz ein Stand einrichten (in Hinblick auf die ansonsten auftretende Seilreibung wohl vernünftig). Es ging jedoch auch, die nachfolgende SL7 (6) direkt dranzuhängen. Hier gibt es nochmal steile Kletterei an großen Henkeln.

Die Sei Poet endet auf dem Absatz mit Baum. Hier hat man noch die Möglichkeit, die letzte steile, mit Borhaken gesicherte Länge, der „Mein Komet“ (8-) bis auf den Gipfel des Pfeilers zu klettern.
Ausrüstung
- 10 Expressschlingen
- 1 Satz Cams 0.3 – 4, ggf. 0.5 – 2 doppelt
- Doppelseile 50 m
Absicherung
Die Tour ist grundsätzlich selbst mit Cams abzusichern. Die Stände sind gebohrt. Vereinzelt stecken einige Bohr- und Schlaghaken an sinnvollen Stellen. Insgesamt ist die Tour damit gut abzusichern.
Schwierigkeit
Die vierte und fünfte Seillänge bieten sehr schöne pumpige Risskletterei. Wer hier sauber klemmt spart Kraft. Die Schlüsselstelle entlang der stumpfen Hangelkante mit schlechten Tritten fordert einen ruhigen Kopf, löst sich aber gut auf und ist mit einem Borhaken vor der Querung auch sinnvoll abgesichert.
Abstieg
Über die direktere Linie der mein Komet abseilen.

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