Fünf Gipfel über 4.000 m in einer Reihe, von denen vier zu den am anspruchsvollsten zu besteigenden der Alpen zählen. Die maximale Kletterschwierigkeit übersteigt jedoch nie den 5. Grad. Dennoch zu Recht eine Tour des Auswahlführers „Im extremen Fels“?
Wie Zähne eines zu Stein erstarrten Uhrzeitungeheuers ragen die Grattürme des Teufelsgrats empor in die wilde Hochgebirgslandschaft des Mont Blanc Massivs. Solider Fels, gute Absicherbarkeit mit Cams und Schlingen sowie herrliche klassische Kletterei entlang von Rissen und Verschneidungen, machen die Kletterei zu einem wahren Genuss. Der Zustieg über den teils spaltenreichen Gletscher, das Überwinden des Bergschrunds, die steilen Schneefelder hinauf zum Col du Diable, die große Höhe und Länge machen die Tour zu einer den ganzen Alpinisten fordernden Unternehmung.
Der Südostgrat, oder Teufelsgrat, auf den Mont Blanc du Tacul, ist somit vollkommen zu Recht eines der großen Sehnsuchtsziele der Alpen, welches praktisch auf der Wunschliste eines jeden Alpinkletterers steht. Wer dann noch seinen Gleitschirm im Gepäck hat, wird mit dem großen Plateau unterhalb des Gipfels mit perfektem Startgelände belohnt und genießt beim mühelosen Abstieg nach Chamonix auch noch die herrliche Aussicht.
| Kletterlänge: 8-12 h | Ausrichtung: Südwest |
| Seillängen: überwiegend laufendes Seil | Schwierigkeit: 5b |
Zustieg
Entweder von der Cosmiques-Hütte (Seilbahn von Chamonix zur Aiguille du Midi), oder der Turiner-Hütte (Seilbahn von Courmayeur/Entreves) startend zum Einstieg in der Combe Maudite auf ca. 3.620 m.
Der Zustieg von der Turiner-Hütte auf 3.400 m über den Glacier-du Geant, ist mit geringer Höhendifferenz (200 hm ab, 400 hm auf) in gut 2 Stunden machbar. Der Gletscher ist hier ganz überwiegend flach und wenig spaltenreich.
Der Zustieg von der Cosmiques-Hütte auf 3.600 m ist sowohl von der Strecke, als auch der Höhendifferenz (400 hm ab, 400 hm auf) deutlich länger und benötigt ca. 3,5 Stunden. Vorgelagert vor der Pyramide du Tacul / dem Grand Capucin liegt eine extrem spaltenreiche Zone des Gletschers, welche weitläufig nach Südost umgangen / durchquert wird. Dieser Zustieg sollte daher nur bei adäquaten Bedingungen und vorhandener Spur gewählt werden. Ohne Sicht (Nacht/Nebel) und ohne gute Spur (direkt nach Neuschneefällen), möchte man sich in diesem Labyrinth aus riesigen Spalten in keinem Fall verirren.
Entsprechend der hochalpinen Gletscherumgebung können die Verhältnisse und Anforderungen stark variieren.

Einstieg
Der Bergschrund am Einstieg auf ca. 3.620 m entscheidet darüber, ob die Tour möglich ist. Nach dem schneearmen Winter 2024/2025 erwischten wir bereits am letzten Juniwochenende die ziemlich letzte Gelegenheit und mussten am rechten Rand sportlich mit Steigeisen auf einer steilen Platte ansteigen, um über den Bergschrund in das darüberliegende Schneefeld zu gelangen.
Das 40-45 Grad steile Schneefeld an dessen rechten Rand hinauf. Dieses vor einer Wand, bei der letzten Möglichkeit nach rechts verlassen und ca. 200 m schräg diagonal nach rechts hinauf durch schneedurchsetztes Blockgelände (2-3) zum zweiten Couloir traversieren. Dieses Couloir (ebenfalls ca. 40-45 Grad) hinauf zum Col du Diable auf 3.950 m.
Im oberen Couloir besteht durch vorangehende Seilschaften starke Steinschlaggefahr. Mit zunehmender Ausaperung später im Jahr, steigt zudem die Steinschlaggefahr deutlich an.

Kletterei
Vom Col du Diable klettert man auf dem breiten Gratrücken durch 3er Blockgelände, umgeht das Corne du Diable linksherum in die Scharte zwischen Corne du Diable und Pointe Chaubert. Das Corne du Diable ist nicht zwingend zu besteigen.
Aus der Scharte über eine Platte (5+) in 1-2 SL auf der Gratschneide hinauf auf den Pointe Chaubert 4.074 m. Auf dessen Rückseite an gebohrten Abseilständen 2-3 x in die Scharte abseilen und über leichtes Gelände zum nächsten Turm.
Auf den Point Mediane 4.097 m kann man unten zwischen zwei möglichen Risslinien wählen. Wir haben die rechte Variante gewählt (5). Weiter geht es auf der rechten Seite der Gratschneide hinauf zum Gipfel, von welchem man wiederum 1-2 x abseilt und über leichtes Gelände zum nächsten Turm gelangt.

Den nächsten Turm zunächst frontal über eine Platte (5) hinauf in einen Riss und diesem folgend rechts an der Spitze des Turms vorbei auf einen flacheren, blockigen Abschnitt des Grats. Rechts vom Grat über Riss-/Wandkletterei und am Schluss von der rechten Seite durch eine Verschneidung hinauf zum Pointe Carmen 4.109 m. Dort durch das zweite, obere Fenster steigen und von dort 2 x abseilen. In der Scharte über einen kurzen Schneegrat und auf der anderen Seite 1 SL über Risse über leichteres Gratgelände zur Isolee.

Die Isolee 4.114 m wird rechtsherum umgangen und kann optional von ihrer rechten Seite aus bestiegen werden. Von der Schulter der Isolee dem flachen Gratrücken über leichtes Blockgelände (2-3) folgen. Am letzten Aufschwung, wenn es wieder steiler wird, der leichtesten logischen Linie folgen (für uns ein kurzer Rechtsschlenker), bevor es abschließend immer leicht linkshaltend die Flanke hinaufgeht. Vom Ende des Felsgrates flach über einen Schneerücken zum Gipfel des Mont Blanc du Tacul 4.248 m.
Startgelände Gleitschirm
Vom Gipfel und seiner Umgebung ist mit dem Gleitschirm praktisch ein Start in fast alle Richtungen möglich (nach Süd über Südost bis Ost eingeschränkt bzw. anspruchsvoller -> Courmayeur). Unterhalb des Gipfels, in westlicher Richtung, befindet sich jedoch ein relativ flaches Plateau, welches perfektes Startgelände mit Startrichtungen Südwest, West, Nord, bis Nordost bietet (-> Chamonix).

Ausrüstung
- 6-8 lange Alpinexen
- 1 Satz Cams 0.3 – 3 + ggf. Keile
- Viele Schlingen
- Seil (mindestens 40 m) – Wir haben ein leichtes 60 m Halbseil genutzt (doppelt zum Klettern, 30 m Abseillänge)
- Vollständige Hochtouren Gletscherausrüstung
- Wer beabsichtigt auf das Corne du Diable bzw. die Isolee zu klettern, kann darüber nachdenken, Kletterschuhe mitzunehmen. Alles andere geht auch gut mit Bergschuhen.
Absicherung
Die Tour ist grundsätzlich selbst mobil abzusichern und erfordert entsprechende Erfahrung. Alle zwingenden Abseilstände sind gebohrt und mit zwei Edelstahlringen ausgestattet. Es steckt ansonsten kaum fixes Material. Die Absicherung mit Cams und vielen Köpfleschlingen ist aber eigentlich überall sehr gut möglich.
Schwierigkeit
Der alpine Anspruch der Tour hängt stark von den Bedingungen des Zustiegs und auf dem Grat ab und wird durch die Freikletterbewertungen (5b/5+) nur unzureichend wiedergegeben. Starke Ausaperung, kalte Temperaturen, Schnee und Vereisung in der Wand, können den Charakter der Tour stark prägen.
Die konsequente Absicherung mit mobilen Sicherungsgeräten erfordert entsprechende Erfahrung. Ein Rückzug ist nach dem Abseilen am Point Chaubert praktisch nicht mehr möglich.
Die Länge der Tour garantiert einen erfüllten Klettertag und erfordert gute physische Ausdauer. Wie lange man unterwegs ist hängt stark davon ab, wie viel man auf dem Grat sichert / am langen Seil / komplett frei geht.

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